2015

Die zweite Ausstellung in der Nicola Erni Collection veranschaulichte die beiden Sammlungsschwerpunkte innerhalb der Sammlung auf ein Neues: Fotografie mit einem besonderen Augenmerk auf Modefotografie sowie Zeitgenössische Kunst mit einem umfangreichen Werkbestand des Künstlers Jean-Michel Basquiat.

Gezeigt wurde in diesem Sinne Modefotografie von Ruven Afanador, Peter Lindbergh, Irving Penn, Paolo Roversi und David Seidner, Malerei von Jean-Michel Basquiat und Julian Schnabel sowie Installationen von Elmgreen & Dragset.

Ausgestellte Künstler

Ruven Afanador

Fotograf. 1959 in Bucaramanga, Kolumbien, geboren. Lebt und arbeitet in New York.
Ruven Afanador wuchs anfänglich in Kolumbien auf und zog als vierzehnjähriger nach Michigan, USA. Später zog er nach Washington DC, dann weiter nach Mailand, Italien und liess sich 1990 schliesslich in New York nieder.Dank seiner süd-amerikanischen Wurzeln hat Afanador ein ausgeprägtes Gespür für Farben, Textur und Materialien und tatsächlich sind seine lyrischen und sinnlichen Fotografien voller gewagter Emotionen, kultivierter Eleganz und ein grosszügiges Fest für das Auge.
Seine Fotografien sind in den Magazinen Vanity Fair, The New York Times Magazine, Vogue, Harper’s Bazaar und Elle erschienen, Werbekampagnen reichen von Yves Saint-Laurent to Moschino, Hugo Boss und Guerlain bis zu Bergdorf Goodman.

Peter Lindbergh

Fotograf. 1944 in Leszno, Polen geboren. 2019 in Paris gestorben.
Peter Lindbergh verbrachte einen Grossteil seiner Kindheit in Duisburg, Deutschland. Anfang der 1960er Jahre begann er ein Studium an der Berliner Akademie der Bildenden Künste und arbeitete danach als Schaufensterdekorateur in einem Kaufhaus. Darauf zog es ihn als Assistenten zum deutschen Fotografen Hans Lux, bei welchem Lindbergh sein Interesse an der Modefotografie entdeckte.
Mit seinem visionären Ansatz und seiner typischen sachlichen, eleganten, gefühlsgeladenen und filmischen Ästhetik, meistens in schwarz-weiss, fing Lindbergh nicht nur die Schönheit seiner Models ein, sondern auch deren Persönlichkeiten. Er war ausserdem einer der ersten Fotografen, der narrativ Elemente in seine Modestrecken integrierte.
Ab seinem Umzug nach Paris 1978 arbeitete Lindbergh für die italienische, englische, französische, deutsche und amerikanische Vogue und hatten in den Jahren darauf Aufträge für fast alle bedeutenden Modemagazine. Seine Arbeiten sind Bestandteil der permanenten Sammlungen vieler Kunstmuseum in aller Welt und wurden in angesehenen Galerien- und Museumsausstellungen gezeigt. 1995 und 1997 wurde er an den International Fashion Awards in Paris zum Best Photographer ernannt. 2005 erhielt er den Lucie Award für Outstanding Achievement in Fashion Photography. 

Irving Penn

Fotograf. 1917 in Plainfield, USA geboren. 2009 in New York City gestorben.
Irving Penn studierte unter dem höchst-einflussreichen Alexey Brodovitch Kunst und Design an der Philadelphia Museum School of Industrial Art. Er arbeitete darauf hin als Brodovitchs Assistent bei Harper’s Bazaar und wechselte 1943 auf Bitte von Alexander Liberman, dem neu ernannten Art Director, zur Vogue. Penn fotografierte während fast 70 Jahren für die Vogue sowie kommerzielle Kunden in den USA.
In einer Zeit als Fotografie hauptsächlich als Kommunikationsmittel verstanden und eingesetzt wurde, veschrieb sich Penn eine künstlerische Herangehensweise und erweiterte das kreative Potential des Mediums im Rahmen seiner beruflichen wie privaten Fotografien. Penns Bildsprache zeichnet sich durch eine typische elegante ästhetische Einfachheit aus und er ist sowohl für seine fesselnden Bilder wie seine kunstvollen Druckmethoden berühmt. Seine erste Retrospektive wurde bereits 1984 vom Museum of Modern Art in New York organisiert. Noch zu Lebzeiten hatte Penn selber The Irving Penn Foundation gegründet.

Paolo Roversi

Fotograf. 1947 in Ravenna, Italien geboren. Lebt und arbeitet in Paris.
Roversis Interesse an der Fotografie wurde in jungen Jahren während eines Familienurlaubs in Spanien geweckt und bewegte ihn daraufhin dazu, seine gesamte Freizeit dem Selbststudium des Mediums zu widmen. 1971 traf er per Zufall in Ravenna den Schweizer Peter Knapp, damals Art Director bei Elle. Roversi besuchte Paris im November 1973 und blieb. 1974 wurde er Assistent des britischen Fotografen Laurence Sackman und erhielt darauf erste Aufträge für Elle und Marie-Claire.
Roversi ist bekannt dafür mit 8x10 Polaroid Film zu arbeiten und hat offensichtlich so viel, wie möglich davon gekauft, bevor der Film aus dem Sortiment genommen wurde. Seine minimalistische Herangehensweise hinsichtlich Portraits und seine wunderschön eindringlichen und ehrlichen Bilder wirken der beschönigenden und kaschierenden Tendenz der Modeindustrie entgegen. Roversis Arbeiten wurden in der Vogue und Harper’s Bazaar publiziert, Werbekampagnen entstanden für Romeo Gigli, Comme des Garçons und Yoji Yamamoto.  

David Seidner

Fotograf. 1957 in Los Angeles geboren. 1999 in Miami gestorben.
David Seidner ist für seine eleganten Modefotografien sowie formellen Portraits berühmt und gilt als grosser Liebhaber der Kunstgeschichte. Er zog siebzehnjährig nach Paris und landete bereits zwei Jahre später sein erstes Magazincover. Während der 80er Jahre arbeitete er exklusiv für Yves Saint Laurent, er tätigte aber auch kommerzielle Aufträge für Dior, Lanvin usw. und publizierte regelmässig Fotografien in den Magazinen Harper’s Bazaar, The New York Times Magazine und Vanity Fair. Nebst seinen kommerziellen Werbe- und Mode-Aufträgen verfolgte Seidner andere Projekte, welche sich Kleidung, dem Körper und der Kunst widmeten. Er fotografierte Miniatur-Couture-Replikas bzw. -Püppchen aus der Kriegszeit für das Musée de la Mode in Paris und hielt in den 90ern während acht Jahren Künstlerstudios von unter anderem Louise Bourgeois, Chuck Close, Brice Marden, Richard Serra und Cindy Sherman auf Film fest.

Elmgreen & Dragset

Künstler Duo. Michael Elmgreen: 1961 in Kopenhagen, Dänemark geboren. Ingar Dragset: 1969 in Trondheim, Norwegen geboren. Leben und arbeiten in Berlin.
Das seit 1995 gemeinsam arbeitende Künstler-Duo betrachtet Objekte jeweils in ihrem historischen, politischen, kulturellen oder soziologischen Umfeld, hinterfragt den Status quo und re-kontextualisiert. Dabei arbeiten Elmgreen & Dragset an der Schnittstelle zwischen Kunst und Architektur, zwischen Installation und Performance.
2003 haben sie den Wettbewerb der Bundesregierung für ein «Denkmal für die im Nationalsozialismus verfolgten Homosexuellen» gewonnen. Mit dem Kunstwerk «Prada Marfa» gelang ihnen 2005 der künstlerische Durchbruch. Die Installation «The Collectors» war ihr Beitrag für die Dänisch-Nordischen Pavillons der 53. Biennale von Venedig im Jahr 2009. Seit 1997 stellen sie regelmäßig in international bedeutenden Museen aus.

 

Julian Schnabel

Maler, Filmemacher und Fotograf. 1951 in New York geboren. Lebt und arbeitet zwischen New York und Montauk (Long Island).

Julian Schnabel studierte von 1969 bis 1973 an der University of Houston und nahm 1973-74 an einem unabhängigen Studienprogramm am Whitney Museum of American Art teil. Nach einem ersten Aufenthalt in Italien im Jahr 1977 besuchte Schnabel ein Jahr später Europa erneut und war insbesondere von der Architektur von Antoni Gaudí in Spanien angetan. Die Idee für seine berühmten, grossformatigen Gemälde aus zerbrochenen Porzellantellern kam ihm sodann auch in Barcelona. Neben den sogenannten “plate paintings” experimentiert Schnabel mit einer grossen Spannbreite an unterschiedlichen Materialien für seine monumentalen Arbeiten. Sein eklektischer und expressiver Stil vereint literarische wie auch malerische Referenzen der Vergangenheit mit abstrakten Zeichen.

Neben seiner Arbeit als Künstler produziert Julian Schnabel auch Filme bzw. führt Regie, u.A. (in) Basquiat (1996), Before Night Falls (2000), The Diving Bell and the Butterfly (2007) und Van Gogh -  At Eternity's Gate (2018)

Jean-Michel Basquiat

Maler. 1960 in New York geboren. 1988 in New York gestorben.
Jean-Michel Basquiat kam über die Graffiti- und Hip-Hop-Szene zur Malerei und schuf innert acht Jahren ein ebenso anhaltend faszinierendes wie komplexes Werk. Die kunsthistorische Einordnung seines Oeuvres ist so vielfältig wie die Interpretation einzelner Werke subjektiv ist. Basquiat war sehr aufnahmefähig und belesen und liess neben autobiographischen Referenzen sein immenses Wissen in seine Kunst einfliessen: Alltagsweisheiten, historische, soziokulturelle und kunsthistorische Aspekte, Literatur, Musik, Comics, Symbole, visuelle Referenzen aus TV und Massenmedien.