Künstler
Doug Aitken
Doug Aitken (Amerikaner, geb. 1968) lebt und arbeitet in Los Angeles und ist als Multimedia-Künstler bekannt. Nach seinem Studium am Art Center College of Design machte er sich einen Namen mit architektonischen Interventionen und Installationen, die in den öffentlichen Raum eingreifen. Er setzt sich über Genredefinitionen hinweg und arbeitet mit einer Vielzahl von Medien, darunter Fotografie, Video, Sound und Skulptur. Aitken zielt darauf ab, die Art und Weise, wie Kunst sein kann und wie wir Kunstwerke erleben, neu zu definieren.
Elmgreen & Dragset
Michael Elmgreen (Däne, geb. 1961) und Inger Dragset (Norweger, geb. 1969) leben beide in Berlin und arbeiten seit 1995 als Künstlerduo unter dem Namen Elmgreen & Dragset. Mit ihrer Arbeit untersuchen sie Objekte in ihrem historischen, politischen, kulturellen und soziologischen Kontext und hinterfragen und überdenken den Status quo. Dabei bewegen sich Elmgreen & Dragset an der Grenze zwischen Kunst und Architektur, Installation und Performance. Der internationale Durchbruch gelang ihnen mit der Dauerinstallation Prada Marfa im Jahr 2005, als sie mitten in der texanischen Wüste einen gefälschten Prada-Laden installierten. Die Installation The Collectors war ihr Beitrag für den benachbarten dänischen und nordischen Pavillon auf der 53. Biennale von Venedig 2009. Seit 1997 stellen sie regelmässig in führenden internationalen Museen aus.
Keith Haring
Keith Haring (Amerikaner, 1958-1990), bekannt für seine illustrativen Darstellungen von Figuren und Symbolen, war ein Künstler und sozialer Aktivist. Ursprünglich wollte er Werbegrafiker werden, änderte aber bald seine Meinung und entschied sich für ein Studium an der School of Visual Arts in New York. Die Schule war ein Zentrum der New Yorker Kunstszene in Downtown. Seine Pop-Art entstand aus der New Yorker Graffiti-Subkultur der 1980er Jahre. Harings Popularität erwuchs aus seinen spontanen Zeichnungen in den U-Bahnen – Kreideumrisse von Figuren, Hunden und anderen stilisierten Bildern auf leeren schwarzen Werbeflächen. In seinen Werken verband er Graffiti, Hip-Hop und eine urbane Ästhetik, die sowohl verspielt war als auch soziale Themen aufgreifen.
François Halard
François Halard (Franzose, geb. 1961) ist ein Fotograf und Künstler, der für seine Interior- und Architekturfotografien bekannt ist. Ausgebildet an der École des Arts Décoratifs in Paris, wurde er schon während seines Studiums von großen Namen der Interior- und Modepresse wahrgenommen. Zunächst arbeitete er für Decoration International, dann für den Art Director von Conde Nast, Alex Liberman. 1984 zog François nach New York City, wo er regelmäßig Aufträge für verschiedene Conde Nast-Publikationen erhielt, darunter American Vogue, Vanity Fair, GQ und House & Garden. Nach 10 Jahren hat er sich entschieden als eigenständiger Fotograf zu arbeiten und Werke zu kreieren, die zeitlos sind. Er lebt und arbeitet in Arles.
Duane Hanson
Duane Hanson (Amerikanier, 1925–1996) wurde durch seine hyperrealistischen Skulpturen bekannt, die alltägliche Szenen des amerikanischen Lebens zeigen. In aufwendiger Handarbeit fertigte er lebensgroße Figuren aus Polyesterharz und Fiberglas, die er mit echter Kleidung und Accessoires ausstattete. Seine Werke stellen häufig Arbeiter, Touristen oder Hausfrauen dar und thematisieren Konsumgesellschaft, soziale Rollenbilder und Isolation. Hanson studierte an der Cranbrook Academy of Art in Michigan und begann in den 1960er-Jahren mit figurativen Arbeiten, die sich zunehmend dem Realismus verschrieben. Anders als die idealisierten Darstellungen klassischer Skulptur zeigen seine Figuren Menschen in unspektakulären, manchmal unbequemen Momenten – erschöpft, gelangweilt oder in sich gekehrt. Mit seiner präzisen Technik und seinem ungeschönten Blick auf die amerikanische Gesellschaft zählt Duane Hanson zu den wichtigsten Vertretern des Hyperrealismus.
Dieter Roth
Dieter Roth (Schweizerisch-deutscher Künstler, 1930–1998) war ein radikalster und vielseitigster Vertreter der Nachkriegskunst. Sein Werk umfasst Grafik, Malerei, Skulptur, Künstlerbücher, Installationen und experimentelle Filme. Roth wurde insbesondere für seine Materialexperimente bekannt: Er arbeitete mit vergänglichen Stoffen wie Schokolade, Käse oder Gewürzen und thematisierte Zerfall, Prozesshaftigkeit und Zeit als zentrale Bestandteile seiner Kunst. Nach einer grafischen Ausbildung in Zürich entwickelte er früh ein Interesse an Typografie, Buchgestaltung und seriellen Strukturen. In den 1960er-Jahren war er eng mit der internationalen Fluxus-Bewegung verbunden und prägte das Medium des Künstlerbuchs entscheidend mit. Roth lebte und arbeitete in verschiedenen Städten, darunter Reykjavík, Basel, Düsseldorf und Hamburg, und pflegte zahlreiche künstlerische Kooperationen. Seine Arbeiten bewegen sich zwischen konzeptueller Strenge und anarchischem Humor. Mit einer kompromisslosen Haltung gegenüber traditionellen Werkbegriffen stellte Dieter Roth die Idee des autonomen, abgeschlossenen Kunstwerks infrage.
Tim Walker
Tim Walker (Brite, geb. 1970) schafft Fotografien mit fiktiven und wundersamen Welten. Tim Walker entdeckte sein Interesse an der Fotografie in der Condé-Nast-Bibliothek in London, wo er das Cecil-Beaton-Archiv bearbeitete. Nach seinem Abschluss in Fotografie am Exeter College of Art in Oxford arbeitete er als Assistent von Richard Avedon in New York. Bald darauf begann Walker, Modestrecken für die Vogue und das W Magazine zu fotografieren. Walkers Fotografien sind eine nostalgische Erinnerung an eine Ära der Unschuld und des Überschwangs, der jugendlichen Fantasie und der einzigartigen Ästhetik. Der Künstler lebt und arbeitet in London.
Ai Weiwei
Ai Weiwei (Chinese, geb. 1957) ist bekannt für seine provokativen Werke, die Kunst als gesellschaftlicher Kommentar mit politischem Aktivismus verbinden. Sein Werk umfasst verschiedene Medien, darunter Skulpturen, Installationen, Fotografie und Filme, in denen er den Status quo in Frage stellt und für soziale Gerechtigkeit plädiert. Ai Weiwei studierte Animation an der Pekinger Filmakademie, bevor er 1981 in die Vereinigten Staaten zog. Nach seiner Rückkehr nach China in den frühen 1990er wurde Ai Weiwei zu einer prominenten Figur in der chinesischen Kunstszene. Der Konzeptkünstler ist ein lautstarker Kritiker der chinesischen Regierung, besonders in Bezug auf Menschenrechte und die freie Meinungsäusserung. Sein Aktivismus hat zu zahlreichen Zusammenstößen mit den Behörden geführt, darunter seine vielbeachtete Verhaftung im Jahr 2011. Trotz dieser Herausforderungen werden seine Werke in wichtigen Museen und Galerien auf der ganzen Welt ausgestellt, und er ist nach wie vor ein gefragter Künstler.
Harley Weir
Harley Weir (Britin, geb. 1991) studierte Bildende Kunst am Central Saint Martins College und ist bekannt für ihre intimen wirkenden Bilder und Filme. Bevor sie eine Karriere als Modefotografin einschlug, wechselte sie mit Leichtigkeit zwischen privaten und kommerziellen Arbeiten. Weirs Bilder sind sorgfältig komponiert und zeichnen sich durch ein ausgeprägtes Gespür für Farbe und Inszenierung aus. Man begegnet einem Naturalismus, der sich auf historische Modelle und zeitgenössische Porträts bezieht. Mit zahlreichen Kampagnen für Luxusmarken, überzeugenden Editorials und einer Reihe persönlicher Projekte ist sie zu einer führenden Kraft in der Fotografie- und Filmindustrie geworden.
William Eggleston & Paul McCarthy
Ganz in der Philosophie der Nicola Erni Collection werden in diesem Raum Fotografie und zeitgenössische Kunst selbstverständlich und ohne Hierarchisierung nebeneinander präsentiert.
Das Portfolio The Last Dyes von William Eggleston (*1939) umfasst 49 Fotografien, die der Künstler in den 1970er Jahren in Memphis realisierte. Gedruckt im technisch aufwendigen Dye-Transfer-Verfahren – zumeist genutzt für Werbeplakate – zeichnen sich die Arbeiten durch eine außergewöhnliche Farbsättigung und eine beinahe malerische Materialität aus. Alltägliche Motive – Tankstellen, Motelzimmer, Kühlschränke – erhalten durch diese spezifische Drucktechnik eine unerwartete ästhetische Präsenz und Würde. Wie der Titel andeutet, handelt es sich bei diesen Fotografien um die letzten Abzüge, die jemals nach Egglestons Vorlagen in diesem analogen Verfahren hergestellt wurden. Mit der Einstellung der Produktion der Dye-Transfer-Materialien durch Kodak – den weltweit einzigen Hersteller – ist diese Technik endgültig obsolet geworden. The Last Dyes verweist somit nicht nur auf ein abgeschlossenes Kapitel in Egglestons Werk, sondern ebenso auf die Endlichkeit eines spezifischen fotografischen Verfahrens.
Demgegenüber steht Tomato Head (1994) von Paul McCarthy (*1945), eine lebensgroße Comicfigur, die formal an das erste im amerikanischen Fernsehen beworbene Spielzeug, „Mr. Potato Head“, anknüpft. Wie ihr historisches Vorbild verfügt die Figur über Öffnungen anstelle von Augen, Nase, Mund und Ohren, in die austauschbare Elemente eingesetzt werden können. McCarthy erweitert dieses Prinzip jedoch um explizite sexuelle Attribute und verschiebt damit das scheinbar harmlose Spielzeug in einen provokanten Kontext. In seiner charakteristisch überzeichneten und konfrontativen Bildsprache thematisiert er Fragen von Geschlechteridentität, gesellschaftlichen Normierungen und kulturellen Mythen. Zugleich formuliert er eine kritische Auseinandersetzung mit dem Ideal des „American Dream“, dessen Freiheitsversprechen er im Hinblick auf strukturelle Ungleichheiten und Dysfunktionen befragt.
Zwischen den beiden Positionen entsteht ein unerwarteter Dialog. Beide reflektieren auf unterschiedliche Weise amerikanische Alltags- und Populärkultur. Während Eggleston der Realität durch formale Präzision und technische Perfektion eine stille Intensität verleiht, operiert McCarthy mit Überzeichnung, Ironie und bewusster Grenzüberschreitung. In der Gegenüberstellung treten Parallelen ebenso wie Kontraste hervor – Leichtigkeit und Härte, Banalität und Provokation, Dokumentation und Dekonstruktion. Die Präsentation verdeutlicht, dass Fotografie und zeitgenössische Kunst hier in einen Dialog treten und sich auf Augenhöhe begegnen.
Dirty Martini: Photographs of the 1960s and 1970s
Mit über 200 Fotografien präsentiert Dirty Martini eine umfangreiche Auswahl von Aufnahmen aus den 1960er- und 1970er-Jahren aus der Nicola Erni Collection, die sich mit dem gesellschaftlichen Wandel dieser Dekaden auseinandersetzen. In fünf thematischen Kapiteln wird der Lebensstil bekannter Protagonisten dieser Zeit anhand von Porträts und Paparazzi-Fotografien facettenreich dokumentiert. Die ausgestellten Werke verbindet nicht nur ihre Entstehungszeit, sondern auch eine prägnante visuelle Handschrift: Schwarz-Weiß-Fotografie, überwiegend in Form von Silbergelatineabzügen. Diese Technik verleiht den Bildern eine besondere Tiefe, Kontraststärke und zeitlose Qualität.
Unter den Titeln Framing Charisma, Art All Around, In Fashion, Hollywood Moments und In High Spirits wird in unterschiedliche Themenwelten eingetaucht, und es zeichnet sich ein vielschichtiges Bild des Lebensgefühls der Swinging Sixties und der glamourösen Seventies ab – eingefangen von über 30 Fotografen, darunter Richard Avedon (1923–2004), Ron Galella (1931–2022) und Jeanloup Sieff (1933–2000).
New York’s Roaring 80s
Basquiat, Schnabel, Warhol
Dieser Ausstellungsraum vereint eine Reihe monumentaler Werke von drei Künstlern, die in den 1980er-Jahren in New York tätig waren und in engem Austausch miteinander standen: Jean-Michel Basquiat, Andy Warhol und Julian Schnabel.
Während Warhol und Basquiat in ihren Collaborations die Grenzen zwischen Pop Art und Neo-Expressionismus verwischten, verkörperte Schnabel eine Rückkehr zur monumentalen, haptischen Malerei. Trotz ihrer unterschiedlichen Stile eint die Werke ein radikaler Umgang mit der Vermischung von Techniken und Bildsprachen. Ob Basquiats oder Schnabels collageartige Verflechtung von Text und Bild oder Warhols ikonische Siebdrucke auf großformatigen Bildträgern – es ist Ausdruck eines neuen Selbstbewusstseins einer Künstlergeneration, die sich nicht durch begrenzte Räume einschränken lassen wollte.
Die Worte in Julian Schnabels (*1951) Werk tragen häufig eine zutiefst persönliche Bedeutung und verweisen auf konkrete Erinnerungen, Orte oder Menschen aus seinem eigenen Leben. Diese sprachlichen Fragmente fungieren – insbesondere in seinen abstrakten Arbeiten – als Anker für die Betrachtenden. Instinktiv halten wir uns an diesen Buchstaben fest und versuchen, eine Geschichte oder eine verborgene Bedeutung zu rekonstruieren. In seinem monumentalen Gemälde Ozymandias rückt der Text selbst in den Mittelpunkt. Der Titel bezieht sich auf die 1818 veröffentlichten Sonette von Percy Bysshe Shelley und Horace Smith, die beide entstanden, nachdem ein monumentales Fragment einer Statue des Pharaos Ramses II. im British Museum eingetroffen war. Wie die Gedichte reflektiert auch Schnabels Werk über den unvermeidlichen Verfall von Macht und die Vergänglichkeit menschlichen Ruhms.
Für das Werk His Last Time in St. Moritz integrierte er Keramikscherben von Tellern, Tassen und Vasen auf einer mit Spachtelmasse beschichteten Holzoberfläche und schuf so eine unebene Komposition aus Fragmenten. Diese „Tellerbilder“ zählen zu den bedeutendsten Werkgruppen in seinem Œuvre. Im Winter 1987/88 arbeitete Jean-Michel Basquiat erneut in St. Moritz, eingeladen von Bruno Bischofberger, dessen Atelier er nutzen konnte. Im darauffolgenden Winter vollendete Schnabel His Last Time in St. Moritz als Hommage an seinen Freund Basquiat. Das Werk greift Objekte auf, die Basquiat zurückgelassen hatte, ebenso wie das Bild eines Kronleuchters, der – auf den Kopf gestellt – an eine Narrenkappe erinnerte. In der Malerei wird diese Form zum Symbol für Basquiat selbst – als Darstellung eines brillanten jungen Künstlers, dessen Leben tragisch früh endete.
Jean-Michel Basquiats (1960–1988) Kunst ist unberechenbar und verwandelt Elemente seiner alltäglichen Umgebung in einen freien Fluss von Ideen und Assoziationen. Das frühe Werk Untitled (Willy Arron) aus dem Jahr 1981 spiegelt diese Einflüsse wider. Es entstand auf einer Wohnungswand und verwendet – wie viele seiner Wandarbeiten – Materialien wie Graffitispray und Wachskreide. In diesem Werk erscheinen wiederkehrende Symbole wie Flugzeuge, ein blaues Auto und eine Krone, die zu zentralen Bestandteilen seiner künstlerischen Sprache wurden. Der Satz „Pay For Soup, Build A Fort, Set That On Fire!“ wirkt rückblickend wie eine rätselhafte Formel, in der sich ein Credo von Basquiats Leben lesen lässt.
Andy Warhols (1928–1987) monumentales Werk Human Hearts zeigt 156 menschliche Herzen in einem seriellen Raster. Anstatt das Herz als romantisches Symbol zu verwenden, erfasst er es als biologisches Organ und betont so die mechanische Natur und inhärente Fragilität des Körpers. Die Komposition balanciert die Präzision des schwarzen Negativ-Siebdrucks mit der expressiven Wärme handgemalter, leuchtender Farben.
Die Gemeinschaftsarbeiten von Jean-Michel Basquiat und Andy Warhol Mitte der 1980er-Jahre vereinten zwei markant unterschiedliche, zugleich jedoch komplementäre künstlerische Welten. Warhol, bereits eine Ikone der Pop Art, war bekannt für seine glatte, kommerziell geprägte Bildsprache, während Basquiats rohe, expressive Ästhetik aus der New Yorker Downtown-Kunstszene hervorging. Zwischen 1984 und 1985 schufen die beiden über hundert Werke, in denen sie Warhols klare Logos und siebgedruckte Motive mit Basquiats Wörtern und symbolhaften Figuren überlagerten. Ihre Zusammenarbeit war zugleich kreativ und kontrovers – ein kühner Dialog zwischen Generationen und unterschiedlichen künstlerischen Ansätzen.
Thinking Big
Portraits zielen darauf ab, die Identität, das Innenleben oder die unverwechselbare Präsenz einer Person einzufangen. Zugleich sind sie stets von den Entscheidungen der Künstler geprägt – von einer bestimmten Form, Perspektive und Schwerpunktsetzung, die jedem Werk seinen eigenen Charakter verleihen.
Thinking Big zeichnet sich nicht durch die Wiedergabe eines klassischen Porträts aus, sondern zeigt die Gegenüberstellung von Porträts der zeitgenössischen Kunst sowie der Fotografie im Grossformat, deren Reiz darin liegt, den Begriff Porträt anders zu interpretieren.
Ein klassisches Porträt ist eine künstlerische Darstellung einer Person, bei der Gesicht, Ausdruck und Persönlichkeit im Mittelpunkt stehen. Es folgt oft traditionellen Regeln der Komposition, Beleuchtung und Haltung, wie sie insbesondere in der Malerei und der frühen Fotografie entwickelt wurden.
Mickalene Thomas (*1971)’ Afro Goddess Looking Forward ist ein kraftvolles Gemälde, in dem die Dargestellte dem Betrachter direkt begegnet und damit ein klares Bewusstsein für ihr eigenes Bild signalisiert. Diese Darstellung schreibt Kunstgeschichte neu, indem sie eine Schwarze Frau in einem kühnen, ästhetisch vielschichtigen Interieur zeigt, das vom Stil der 1970er-Jahre inspiriert ist. Die Oberfläche wird zudem durch dekorative Strasssteine bereichert, die dem Werk zusätzliche Textur verleihen.
Ein ähnlich direkter Blick findet sich in Richard Avedons (1923-2004) Porträt von Brigitte Bardot aus dem Jahr 1959. Der großformatige Silbergelatineabzug betont ihre stark kontrastierten Gesichtszüge, gerahmt von voluminösem, doppelt belichtetem Haar. Dieser Effekt erzeugt ein Gefühl von Bewegung und lenkt zugleich die Aufmerksamkeit auf die Arbeit des renommierten Friseurs Alexandre de Paris, der im Titel genannt wird.
Ebenfalls in Schwarz-Weiß arbeitet Daido Moriyama (*1938), der sich in einem vierteiligen Siebdruck selbst porträtiert. Obwohl von Andy Warhols Siebdruckporträts beeinflusst, zeigt Moriyama sich in unterschiedlichen Posen, angeordnet wie ein Fragment eines Kontaktbogens. Das Werk zeichnet sich durch seinen charakteristischen hohen Kontrast und die körnige Textur aus, die die rohe Unmittelbarkeit seines fotografischen Stils unterstreichen.
Seit Jahrzehnten erforscht Cindy Sherman (*1954) Identität durch inszenierte Selbstporträts. In einer solchen Aufnahme erscheint sie in der Rolle einer adligen Frau. Die Figur ist klar und gleichmäßig ausgeleuchtet dargestellt, während die verschneite Bergkulisse stilistisch abweicht und so eine subtile Künstlichkeit erzeugt.
Jean-Michel Basquiats (1960-1988) Gemälde von 1986 auf Holzlatten zeigt eine totemartige Figur mit einer ausgeprägten Betonung der Lungen. Das Werk reflektiert seine Auseinandersetzung mit afrikanischer spiritueller Symbolik sowie sein langjähriges Interesse an Anatomie, das unter anderem durch das Buch Gray’s Anatomy angeregt wurde, welches ihm seine Mutter in der Kindheit schenkte.
Abschließend lässt sich Rashid Johnsons (*1977) großformatiges Gemälde – wie der Titel andeutet – als Porträt einer „Seele“ interpretieren. Seine abstrakten Formen und Linien vor dunkelbraunem Grund eröffnen vielfältige Deutungsmöglichkeiten. Auf diese Weise wird die Wahrnehmung der Betrachtenden ebenso bedeutsam wie die Intention und der Stil des Künstlers oder die Präsenz der dargestellten Person.
seit Oktober 2023
Pipilotti Rist
Pipilotti Rist (Schweizerin, geb. 1962) wurde in der Schweiz, im Rheintal geboren und ist seit Mitte der 1980er Jahren eine die zentralen Figuren der internationalen Kunstszene. Zunächst studierte sie Grafik, Illustration und Fotografie, bevor sie sich der Video- und Multimediakunst zuwandte. Seit ihren berühmt gewordenen Einzelkanalvideos wie ‘Ever Is Over All’, 1997 und ‘Pickelporno’, 1992 zeichnet sich Pipilotti Rist durch ihre pionierhafte Verwendung von Filmmaterial aus. In spielerischen Erkundungen der technischen Möglichkeiten, des Soundes und der lebendigen Farbtöne kreiert Rist Aufnahmen. Ihre immersiven, grossformatigen Videoprojektionen lassen die Betrachtenden in eine sinnliche Erfahrung eintauchen und verwischen die Grenzen zwischen Kunst, Raum und Zuschauern.
Richard Avedon
Richard Avedon (Amerikaner, 1923-2004) wurde in New York in eine jüdische Familie geboren, deren Faszination für Kunst, Mode und Fotografie gut dokumentiert ist. Mit seiner neuen Bildsprache revolutionierte er die Modefotografie seiner Zeit. Er ist berühmt für seine Experimentierfreudigkeit, sein Spiel mit technischen Aspekten, Bildformaten, Montagen und den Posen seiner Models. Seine Ausbildung in Fotografie erhielt er 1944 an der New York School for Social Research, wo er in der Klasse „Design Laboratory“ von Alexey Brodovitch (1898-1871) eingeschrieben war. Brodovitch, der Art Director von Harper’s Bazaar war, lehrte seine Studenten einen konzeptionellen Ansatz für die Fotografie. Von 1944 bis 1965 arbeitete Avedon für Harper’s Bazaar und danach fast zwanzig Jahre lang für die amerikanische Vogue. Er gehört zu einer Generation von Modefotografen, die eine ganze Palette von Visionen abbildeten und aussergewöhnliche Kulissen wählten. Seit den späten 1950er und frühen 1960er Jahren veröffentlichte er Fotobücher und wird noch heute in einigen Museumsausstellungen gefeiert.
Jean-Michel Basquiat
Jean-Michel Basquiat (Amerikaner, 1960-1988) war ein Maler, der in New York lebte und arbeitete. Ca. 1980 wendete er sich von der Graffiti- und Hip-Hop-Szene zur Kunstszene. Innerhalb von acht Jahren schuf er ein ebenso faszinierendes wie komplexes Œuvre. Die kunsthistorische Kanonisierung von Basquiats Werken ist ebenso vielfältig wie die subjektive Deutung derselben. Basquiat war sehr aufgeschlossen, belesen und liess neben autobiografischen Bezügen auch sein umfangreiches Wissen über die Strassen New Yorks, über historische, soziokulturelle und kunsthistorische Aspekte, über Literatur, Musik, Comics, Symbole und visuelle Referenzen aus Fernsehen und Massenmedien in seine Kunst einfließen. Während seiner Schaffensperiode in den 1980er Jahren schloss er eine enge Freundschaft mit dem berühmten Pop-Art-Künstler Andy Warhol und die beiden schufen gemeinsam über 130 Werke.
Julian Schnabel
Julian Schnabel (Amerikaner, b. 1951) lebt und arbeitet zwischen New York und Montauk (Long Island). Er studierte von 1969 bis 1973 an der University of Houston und nahm 1973-74 an einem unabhängigen Studienprogramm am Whitney Museum of American Art teil. Nach einem ersten Aufenthalt in Italien im Jahr 1977 besuchte Schnabel ein Jahr später Europa erneut und war insbesondere von der Architektur von Antoni Gaudí in Spanien angetan. Die Idee für seine berühmten, grossformatigen Gemälde aus zerbrochenen Porzellantellern kam ihm sodann auch in Barcelona. Neben den sogenannten “plate paintings” experimentiert Schnabel mit einer grossen Spannbreite an unterschiedlichen Materialien für seine monumentalen Arbeiten.
Elmgreen & Dragset
Michael Elmgreen (Däne, geb. 1961) und Ingar Dragset (Norweger, geb. 1969) leben beide in Berlin und arbeiten seit 1995 als Künstlerduo unter dem Namen Elmgreen & Dragset. Mit ihrer Arbeit untersuchen sie Objekte in ihrem historischen, politischen, kulturellen und soziologischen Kontext, hinterfragen den Status quo. Dabei bewegen sich Elmgreen & Dragset im Spannungsfeld zwischen Kunst und Architektur, Installation und Performance. Der internationale Durchbruch gelang ihnen 2005 mit der Dauerinstallation Prada Marfa, bei der sie einen scheinbaren Prada-Laden mitten in der texanischen Wüste installierten. Die Installation The Collectors war ihr Beitrag für den benachbarten dänischen und nordischen Pavillon auf der 53. Biennale von Venedig 2009. Seit 1997 stellen sie regelmässig in wichtigen internationalen Museen aus.
Mario Testino
Mario Testino (Peruaner, geb. 1954) ist einer der bekanntesten Mode- und Portrait-Fotografen unserer Zeit, dem 1997 der internationale Durchbruch mit einem Portrait von Prinzessin Diana gelang. Seine Fotografien widerspiegeln seine Persönlichkeit, sei es hinsichtlich derer fröhlicher Farbigkeit, Sinnlichkeit und relaxter Gelassenheit oder des Vertrauens seiner Models in ihren Fotografen und die berührende Intimität von Testinos Portraits.
Keith Haring
Keith Haring (Amerikaner, 1958-1990), bekannt für seine illustrativen Darstellungen von Figuren und Symbolen, war ein Künstler und sozialer Aktivist. Ursprünglich wollte er Werbegrafiker werden, änderte aber bald seine Meinung und entschied sich für ein Studium an der School of Visual Arts in New York. Die Schule war ein Zentrum der New Yorker Kunstszene in Downtown. Seine Pop-Art entstand aus der New Yorker Graffiti-Subkultur der 1980er Jahre. Harings Popularität erwuchs aus seinen spontanen Zeichnungen in den U-Bahnen – Kreideumrisse von Figuren, Hunden und anderen stilisierten Bildern auf leeren schwarzen Werbeflächen. In seinen Werken verband er Graffiti, Hip-Hop und eine urbane Ästhetik, die sowohl verspielt war als auch soziale Themen aufgreifen.
Tim Walker
Tim Walker (Brite, geb. 1970) schafft Fotografien mit fiktiven und wundersamen Welten. Tim Walker entdeckte sein Interesse an der Fotografie in der Condé-Nast-Bibliothek in London, wo er das Cecil-Beaton-Archiv bearbeitete. Nach seinem Abschluss in Fotografie am Exeter College of Art in Oxford arbeitete er als Assistent von Richard Avedon in New York. Bald darauf begann Walker, Modestrecken für die Vogue und das W Magazine zu fotografieren. Walkers Fotografien sind eine nostalgische Erinnerung an eine Ära der Unschuld und des Überschwangs, der jugendlichen Fantasie und der einzigartigen Ästhetik. Der Künstler lebt und arbeitet in London..
Hiro
Hiro (Japaner, 1930-2021) war ein autodidaktischer Werbe- und Modefotograf. Er verbrachte seine Jugend im kriegsgebeutelten China, bevor seine Familie nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs nach Japan zurückkehrte. In Tokio entdeckte er seine Leidenschaft für die Fotografie. Kurzerhand beschloss er, nach New York zu ziehen, wo er Studioassistent bei Richard Avedon wurde. Avedon schickte ihn bald zum legendären Art Director von Harper’s Bazaar, Alexey Brodovitch, und 1966 wurde Hiro der erste festangestellte Fotograf des Modemagazins. Nachdem sein Talent und die Originalität seiner Fotografien entdeckt worden waren, machte Hiro (Geburtsname Yasuhiro Wakabayashi) eine große Karriere in den Bereichen Mode, Schönheit, Stillleben und Porträtfotografie. Seine Arbeiten sind oft surrealistisch und zeichnen sich durch ungewöhnliche Beleuchtung und kräftige Farben aus.
Harley Weir
Harley Weir (Britin, geb. 1991) studierte Bildende Kunst am Central Saint Martins College und ist bekannt für ihre intimen wirkenden Bilder und Filme. Bevor sie eine Karriere als Modefotografin einschlug, wechselte sie mit Leichtigkeit zwischen privaten und kommerziellen Arbeiten. Weirs Bilder sind sorgfältig komponiert und zeichnen sich durch ein ausgeprägtes Gespür für Farbe und Inszenierung aus. Man begegnet einem Naturalismus, der sich auf historische Modelle und zeitgenössische Porträts bezieht. Mit zahlreichen Kampagnen für Luxusmarken, überzeugenden Editorials und einer Reihe persönlicher Projekte ist sie zu einer führenden Kraft in der Fotografie- und Filmindustrie geworden.
Rashid Johnson
Rashid Johnson (Amerikaner, geb. 1977) ist ein Konzeptkünstler, der in New York City lebt und arbeitet. Die erste grosse Reichweite und Aufmerksamkeit erhielt er 2001, als seine Werke in der Ausstellung Freestyle im Studio Museum in Harlem gezeigt wurden. Johnson arbeitet mit verschiedenen Medien, darunter Malerei, Skulptur, Keramik, Fotografie, Film und monumentale Installationen. Sein Werk stützt sich auf autobiografische Bezüge und afroamerikanische Symbolik, insbesondere in Bezug auf die von ihm verwendeten Materialien wie schwarze Seife, tropische Pflanzen, Sheabutter, Fliesen und Graffiti. Er thematisiert Fragen der kulturellen Identität und der sozialen Zugehörigkeit sowie die damit verbundenen Emotionen.the emotions associated with them.
Tilly Joos
Tilly Joos (Schweizerin, geb. 2000) drückt sich aus, indem sie Symbole und Farben verwendet, um Bilder mit einer grafischen Bildsprache zu schaffen. Inspiriert von ihren Aufenthalten in Mexiko und in anderen Kulturen, schafft Joos leuchtende, opake Bilder. Die junge bildende Künstlerin absolvierte den Förderkurs an der Zürcher Hochschule der Künste und debütierte im März 2022 in einer Gruppenausstellung in St. Moritz, Engadin.
Pamela Rosenkranz
Pamela Rosenkranz (Schweizerin, geb. 1979) ist bekannt für ihre konzeptuellen Objekte, Installationen und Gemälde. Sie paart vertraute Gegenstände wie FIJI-Wasserflaschen, die mit hautfarbenen Flüssigkeiten gefüllt sind, mit Körperabdrücken auf verschiedenen Oberflächen. So reduziert sie etwas so Bedeutsames wie Identität auf eine synthetische Fleischlichkeit. Ihre Arbeiten stellen die Beziehung zwischen Konsumprodukten und den lebenden, atmenden Körpern dar, die sie benutzen. Rosenkranz vertrat die Schweiz 2015 auf der 55. Venedig Biennale.


